Berlin (AP) Altersverwirrte Menschen werden aus Sicht von
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt derzeit nicht optimal versorgt. Oft
werde eine Demenz nur nebenbei festgestellt, wenn Patienten wegen anderer
Krankheiten beim Arzt oder in der Klinik seien, sagte Schmidt am Mittwoch
in Berlin. Zudem fehle oft eine zielgenaue Behandlung mit Medikamenten.Sie
regte «Leitlinien» an, also Vorgaben, an die sich alle Ärzte halten sollen.
Darin soll unter anderem klargestellt werden, in welcher Phase einer Demenz
welche Medikamente eingesetzt werden sollten. Außerdem seien «Netzwerke»
zwischen Ärzten, Kliniken und Angehörige angeraten. Sie sei auch offen für
den Vorschlag, die Versorgung von Demenzkranken im Finanzausgleich der
Krankenkassen (Morbi-RSA) stärker zu berücksichtigen. Politisch sehe sie
dafür allerdings keine Mehrheiten, sagte die SPD-Politikerin.Eine neue
Studie hatte vor wenigen Wochen ergeben, dass die Zahl der Demenzkranken in
den nächsten Jahren drastisch zunehmen wird, weil es mehr ältere Menschen
gibt und im Alter die Wahrscheinlichkeit solcher Erkrankungen steigt. Gibt
es heute 1,1 Millionen Demenzkranke, so sollen es 2020 bereits 1,6
Millionen sein.Auch der Wuppertaler Geriater Ingo Füsgen kritisierte, dass
das deutsche Gesundheitswesen darauf nicht eingestellt sei. Es gebe eine
Tabuisierung von Demenz, nicht nur bei den Betroffenen und ihren
Angehörigen, sondern auch «in den Köpfen der Ärzte». Diese befassten sich
zu wenig damit, deshalb werde Demenz oft nicht erkannt. «Ein globales
Problem wird im Verteilungskampf bewusst weggedrückt», sagte Füsgen.Der
frühere AOK-Vorstandsvorsitzende Hans Jürgen Ahrens schlug ein
strukturiertes Behandlungsprogramm, ein sogenanntes DMP, auch für Demenz
vor. Dies könne zur besseren Koordinierung der Behandlung beitragen, sagte
er.© 2009 The Associated Press. Alle Rechte Vorbehalten - All Rights
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